Typewriter Rescue in der Zeitung: Die Geschichten hinter den Menschen mit den Schreibmaschinen

Als ich im Sommer anfing über meine Begeisterung für mechanische Schreibmaschinen auf Instagram und Facebook zu berichten, überraschten mich die positiven Reaktionen auch von Menschen, mit denen ich nicht direkt „befreundet“ war.

Ein paar Tage später bekam ich eine Email der Rhein-Neckar Zeitung in der ich um ein Interview gebeten wurde. Der Rest ging dann gefühlt rasend schnell: das Interview fand statt und ich freute mich über diese schöne Entwicklung.

Immerhin hatte ich nicht mehr getan, als eine Idee ganz einfach in die Realität umgesetzt.

Am Wochenende des 24. September kam der erste Artikel der Rhein-Neckar Zeitung über die „Wieslocher Schreibmaschinen-Enthusiasten“.

Die Reaktion der Leser:innen hatte dann die Zeitung auch überrascht.

Offensichtlich hatte man ein, nicht nur für mich, spannendes Thema entdeckt. Die Redaktion bekam sehr viele Anfragen wie man mit mir Kontakt aufnehmen könne. Im Laufe der folgenden Tage hatte ich mit vielen Menschen aus meiner Region zu tun, bekam Maschinen überreicht und konnte viele spannende Geschichten hören.

Die Schreibmaschine ist scheinbar etwas sehr Persönliches und die Menschen verbinden generationenübergreifend ihre familiären und eigenen Erfahrungen damit. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Vor allem die ältere Generation war dankbar, dass sich jemand ihrer alten Maschine annehmen würde. Dass sie noch einen Sinn macht, dass sie noch einen Wert hat.

Aufgrund der Reaktionen hatte sich die Rhein-Neckar Zeitung dann entschieden, mich ein weiteres mal zu besuchen:

Der zweite Artikel wurde dann Anfang/Mitte November veröffentlicht. Dort konnte ich ein wenig von den faszinierenden Menschen berichten, die mir ihre ebenso begeisternden Geschichten erzählt hatten. Ich finde es beachtlich, dass Du eigentlich bei Deinem Nachbarn klingeln kannst, und er oder sie wird Dir eine Geschichte zu einer Schreibmaschine erzählen. Und es wird vielleicht noch ein „altes Schätzchen“ irgendwo im Keller stehen.

Die Schreibmaschine war hier in meiner Gegend um Wiesloch ganz besonders wertvoll für die Emanzipation der Frauen.

Auch wenn diese Vergangenheit aus heutiger Sicht klischeebehaftet, sexistisch und frauenfeindlich wirken kann: zu der Zeit damals war es eine Möglichkeit für Frauen die Beschäftigungsmöglichkeiten zu erweitern.

Allerdings war in der Zeit nach dem Krieg die Amerikanischen Armee in Heidelberg nicht nur für die Frauen ein wichtiger Arbeitgeber: so erzählte mir der 90 Jahre alte Heizungsbaumeister aus dem Nachbarort, der mit einer elektrischen Olivetti noch seine Biographie schreiben wollte, wie er mit einem fast weggeworfenen Kontrabass eines schwarzen US-Soldaten in den Tanzsälen der Region seine Meriten verdiente und teilweise mehr Geld bekam, als für seine reguläre Tagesarbeit.

Ja und die Musik scheint eine große Nähe zur Schreibmaschine zu haben, denn ich durfte auch den Schlagzeuger der Six Tornados kennenlernen, der mir dann auch noch von der aufregenden Zeit in den 1950er/60er Jahren berichtete, in denen die Jugend damals die Beatmusik entdeckte und eine neue Art von Freiheit genoss. Und das nur, weil ich ihm eine alte Triumph Tippa reparieren durfte.

Sicherlich kennt jeder Geschichten aus seiner Familie, die von Oma und Opa, oder Vater und Mutter. Spannende, Schöne, Traurige, Furchtbare.

Kennt Ihr auch Geschichten Eurer Eltern/Großeltern, Eure Eigenen vielleicht? Was für Abenteuer und Erlebnisse hattet ihr, selbst, gehört? Geschichten die ihr vielleicht selbst aufgeschrieben habt, die Eure Vorfahren aufgeschrieben haben? In Tagebüchern, vielleicht Romanen, oder auf Band gesprochen?

Schreibt mir dazu doch einen Kommentar.

 

 

 

4 Gedanken zu „Typewriter Rescue in der Zeitung: Die Geschichten hinter den Menschen mit den Schreibmaschinen“

  1. Wow, finde ich cool, dass Du so etwas machst. In Wien gibt es – soweit ich weiß – eine einzige Schreibmaschinen-Werkstatt. Mit vollen Auftragsbüchern. Lieferterminen in 3 bis 6 Monaten und ordentlichen Preisen. (Dafür kann der Meister, der noch bei Olympia gelernt hat, auch etwas.)

    Vor kurzem habe ich von einem weiteren Geschäft gehört, das Schreibmaschinen verkauft. Da werde ich heute hinschauen.

    Ich selbst hätte vermutlich nicht den Mut dazu.

    1. Danke Rodja! Wahrscheinlich gilt auch hier: Übung macht den Meister. Es gibt auch Maschinen, an die ich mich nicht herantraue, also jegliche wertvolle Sammlermaschine die wirklich sehr alt sind. Dafür vermittle ich gern Kontakt zu den Spezialisten für solche Modelle.

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