Die Triumph Modell 10 Baujahr 1928 – Dornröschen erwacht…

Vorgeschichte – Tag Null minus Eins

Diese Triumph 10 kommt aus der Familie einer Freundin in der Nachbarschaft. Sie erinnerte sich, als Kind Salatöl hineingegossen zu haben, „damit sie wieder geht!“

verklebte Triumph Modell 10

Ja. Da geht dann gar nix mehr. Der Salatvorfall ist lange her. Die Maschine ist total verklebt. Dennoch: dieses Modell spricht mich an. Sie ist eine Zitat: „Typenhebelmaschine aus der Anfangszeit des bekannten Büromaschinenherstellers Triumph aus Nürnberg. Paul Grützmann, der bereits für „Stoewer“ Schreibmaschinen gebaut hatte, konstruierte schließlich nach dem „Underwood-Prinzip“ eine neue Maschine, die 1909 unter dem Namen „Triumph“ auf den Markt kam. Die „Triumph“ war eine Typenhebelmaschine mit Vorderaufschlag und einfacher Umschaltung („Halbtastatur“). Sie hatte vier Tastenreihen mit 44 Tasten und 88 Zeichen und gehörte zu den erstklassigen Schreibmaschinen“.

Na, dieses Ding sieht einfach genauso aus, wie man sich eine dieser alten schwarz-goldenen Eisenschweine vorstellt. Und Eisenschwein ist auch das richtige Stichwort. Sauschwer ist sie. Mit einem deutlichen Ungleichgewicht in Richtung „weg von mir“. Demnach greife ich die Triumph seitlich hinten, damit sie mir nicht wegdreht und auf den Boden fällt. 

Lange spazieren gehen werde ich sowieso nicht mit diesem „Biest“. Die Schenkerin nannte sie „die Prinzessin“. Frei nach Dornröschen. Demnach bin ich also ihr Prinz. Und nun werde ich sie mit Hilfe der Chemie wieder wachküssen.

Ein langer Weg voller Gefahren und Fallen

Urzustand: Salatöl
eine alte vergessene Schönheit
in Rost und Staub

Verdreckt, verstaubt, fusselig. Rost und zäher Klebekram (wie sonst soll man das nennen?). „Die Zehn“ hat eine Menge Arbeit vor sich. Ja, nee, ich hab eine Menge Arbeit vor mir. Aber ich bin angefixt! Hier ist alles „brachial“. Der Schwabe würde sagen „s isch Brudahl!“. Nein, ich bin kein Schwabe. Aber ich kenne ein paar. Liebe Leute. Anderes Thema.

Ich stehe ja noch recht am Anfang meiner Entdeckungsreise „Prinzessinnen wachküssen“. Um es mal so zu sagen. Das Netz als eigentliche Ursache für meine Rück-Konzentration aufs Wesentliche ist dann aber doch zuerst einmal die Quelle für jede Hilfe die Leute wie ich am Anfang eben brauchen. Aber aufpassen: das Netz lügt manchmal! Ja, wirklich!

Nachdem „die Zehn“ ja schon vor vielen Jahren einem technisch-chemikalischen Irrtum zum Opfer fiel: Salatöl ist keine gute Wahl, kann Dir das heutzutage genausogut passieren. Du guglst nach Maschine reparieren und schaust Dir bei Jutub ein schickes Wackelvideo an, wo jemand WD 40 in die Kiste schießt. Wie oft im Leben ist es wichtig, Aktionismus zu vermeiden, so oft es geht. Denn wenn Du als jetzt aufgeklärter Schreibmaschinen-Reparado sofort aufspringst, die Pulle WD 40 aus dem Keller holst und direkt reinhälst…hast Du nur heute was davon. 

Wenn überhaupt. Denn schon morgen kommt die Überraschung. Oder übermorgen. Auf jeden Fall kommt sie. Die Überraschung. Das nämlich gar nix mehr geht. Denn Merksatz Numero Uno aller Repardisten lautet:

Schreibmaschinen ölt man nicht mit WD-40!

Ob das überhaupt stimmt, kann ich aus eigener Erfahrung gar nicht mal bestätigen. So sieht das aus! Man denke sich: Herrje, bin ich hier einer Verschwörung gegen das arme Wedevierzich aufgehangen? Ist das vielleicht doch das beste Mittelchen von Welt? Was soll ich tun? 

Also ich nehms nicht. Verschwörung hin oder her. Alte staubtrockene Farbbänder, die kriegen bei mir ihr Fett weg. Also ihr Wedevierzich. Und das klappt sehr gut. Aber Achtung: die Farbbänder! Nicht die Schreibmaschine. 

Tag Eins – Ich fang halt mal an

Nun hab ich mir „die Zehn“ im Garten bei sommerlicher Hitze das schöne Teil ne ganze Weile angeschaut, hab mit der Taschenlampe mal hierhin, mal dahin geleuchtet. Und hab gehofft, dass das auch in meiner Birne passiert. Das ist ja das Schöne an diesen alten Kisten: Du kannst sie verstehen! Nicht irgendso ein Software-Dings, was macht was es will. Kein Elektronik-Dongs, das mit oder ohne Taschenlampe immer aussieht wie ein Würfel aus schwarzem Plastik. 

Das Maschinchen hat flexible Tabulatoren. Hat – wie die moderneren Olympias (eine SG 1 zum Beispiel), eine Hebel rechts, um alle Tabulatoren wieder „zu löschen“. (Ist das eigentlich der alte Begriff? „Löschen“ klingt so nach Computersprech). Ein paar Dinge sind anders, als gewohnt: die Haltetaste für die Großbuchstaben („Shift-Lock“) ist ein (ehemals) chromfarbener Hebel links. Die Farbbandrollen lassen sich mit einer Kurbel rechts drehen. Die Mechanik (nennen wir es „das Mahlwerk“, ohne Witz!) ist, bei späterem genaueren Hinsehen ein entzückendes Beispiel des Erfindungsgeistes der Anfänge des Industriezeitalters. Na, eigentlich – deswegen „Mahlwerk“ – erinnert es mich an die hölzernen Zahnräder und Zapfen einer alten Mühle. Schick, was da an Masse durch die Kurbelei in Bewegung versetzt wird, quer durchs ganze Gehöft. Nur um die Farbrollen zu drehen!

Umlenkerei: von Kurbel zu Spule. Mächtig!

Großartig!

Meine ersten Schritte bei Schreibmaschinen, nachdem ich die Funktionen und Freiläufe geprüft habe, sind immer die Kunststoffteile der Andruckrollen.

Andruckrolle angefrischt

Natürlich sind da über die Jahre viele der Weichmacher verloren und diese grauen, staubigen, unansehlichen Teile tun ganz einfach meinen Augen weh. Ich greife also zumeist sofort zum Armor All. Das hab ich nun mal da und davon noch recht viel. Ich brauch es sonst nicht. Für die Auffrischung von alten Schreibmaschinen also wie gemacht und hingestellt. Armor All schadet der Maschine nicht. Demnach macht es auch nix aus, wenn mal ein paar Spritzer davon woanders hingelangen. Damit meine ich ganz oberflächlich. In den Typenkorb reindüsen würde ich jetzt vermeiden. Denn der soll ja am Ende komplett sauber und ölfrei sein. Ich puste davon auf ein Tsewah-Tuch und putze los. Die Tasten kriegen davon auch ein wenig ab. Wobei hier bei „der Zehn“ die Tasten nicht aus Kunststoff sind. Sondern…

…aus Glas?

eingerahmt in etwas, was ich als Blechring bezeichnen würde, liegen die Tasten unter durchsichtigen Glasbauteilen.

Typentasten. Blechgerahmtes Glas. Und die Seriennummer.

Ich wage mich nicht an die Demontage der vermutlichen Glas-Tasten. Ich denke, da gibt es sicherlich eine Methode, die eine Zerstörung vermeidet. Auch wenn einige der Tasten dunkel sind: es tut der Funktion zuerst einmal nichts ab. Also keine Priorität.

Das Salatöl. Das ist Priorität!

Während ich also draußen lange, lange diese Schönheit begreife, oder es versuche, vergeht der Tag schneller als man denkt. Man hat ja auch anderes zu tun! 

Was will ich damit sagen: so eine Aktion mache ich nicht an einem Tag. Also ich. Kann sein, dass es Profis gibt (oder gab), die sowas Ratzfatz durchgezogen haben. Nicht bei mir. Nein, mein Hirn braucht auch den Lernvorgang. Der nennt sich „Schlaf“. Ist so! Ich finde es immer wieder beachtlich, wieviel ich begreife, wenn ich was ganz anderes mache. Und so entwickelt sich im Hirn über Nacht (oder über mehrere Nächte) die Erkenntnis. 

Vom Aktionismus und seiner Vermeidung habe ich vorhin ja schon was gesagt: ja, das gilt auch hier: lass das Ding lieber stehen bevor Du „einfach mal so“ den Schraubenzieher aktivierst. Meistens liegt auf einmal irgendeine Feder auf dem Boden. Auf dem Boden, auf dem Du vorher ein Handtuch ausgelegt hast. Denn Du bist klug! Du hast im Internet die richtigen Filme geschaut: kleine Schräubchen oder Federn machen verrückte Sachen, wenn sie auf glatte Tischplatten fallen: sie fliegen zumeist überall hin. Überall, wo Du sie nicht mehr findest. Deswegen das Handtuch! 

Ein Handtuch ist sowieso immer wichtig

Jeder, der „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen hat, weiß das! „Die Zehn“ ist so etwas wie mein Steckenpferd. Ich zähle zur Zeit über zwanzig Schreibmaschinen mein Eigen. Mein Arbeitspferd ist eine Olympia SG 1 aus Nußloch. Meine Lieblingsmaschine ist die Olivetti Lettera 32. Von denen hatte ich vier. Nun noch drei. Die Olympia SM Serie der 1950er Jahre, also die SM 2 – 5 finde ich auch ganz entzückend. Davon habe ich drei, eine Zweier aus Heidelberg, mit Originalrechnung von 1953 und einer Wartungsrechnung von 1972. Eine Dreier mit einem Breitwagen aus Frankenthal. So ein typisches „Dekostück“ der Leute, die sowas von Oma geerbt haben und es irgendwie schön finden, aber das Macbook lenkt sie mit seinen Updates davon ab. Zu…erkennen…was…ohne sie…so einfach zu sehen…wäre.

Und noch eine Dreier aus Seckenheim. Ja, ich hole mir die Maschinen sehr gern aus der Umgebung. Da weiß man was man hat. Was hab ich schon für Schrott zugeschickt bekommen, nur weil die Ibäi-Kleinanzeigenfotos nun mal nicht das Gleiche sind wie ein Besuch vor Ort. 

Es gibt also immer was zu tun: reparieren, einstellen, arbeitsfähig machen. Doch „die Zehn“ zieht mich in ihren Bann. Da bleibt mir nun leider nix anderes übrig, als meinen Einsatz für „die anderen“ zu mindern. Ja, da habt ihr halt Pech gehabt!

Tag zwei oder drei oder vier: Weiter geht es…mit Ordnung

Nach einigen Nächten passiver Erkenntnis trau ich mich dann an zwei weitere Bauteile ran: die Querstrebe unterhalb der Maschine (das Ding mit drei Federn) und der Typenkamm an der Front. Und spätestens jetzt sollte man sich schnell etwas überlegen. Und zwar, wie man den Überblick behält. Ist ja klar, oder? Spätestens wenn die Schraubenzahl und Vielfalt eine Handvoll erreicht, schert mein Gedächtnis aus. Ich weiß dann auf Teufel komm raus nicht mehr, wo jetzt welche Schraube hingehört. 

Also muss ich mir einen Plan machen. Zumindest mal eine Ablage. Beschriftet. Und sicher vor Familienmitgliedern. Oder Aufräumaktionen. Deswegen lautet der zweite Merksatz des Reparado da Machinado de Scribere (oder so):

Such Dir Deinen eigenen Platz!

Genau. Und das hab ich dann auch gemacht. Ich gehöre ja zu den Glücklichen. Es ist nicht so, dass ich schon während der Pandemiezeit meine Heimbüro-Offensive per klappbarem Schrankbett in meinem Schlaf-Küchen-Fernseh-Appartement durchziehen musste, nein. Aber meine Frau gab mir nach ein paar Tagen auf den Deckel, als ich es mir mit dem Headset an der Küchentheke bequem gemacht hatte. Vom Esstisch ganz zu schweigen! Deswegen glücklich: ich darf mich auch verjagen lassen. Örtlich. Will nicht wissen, wie viele Eheleute die Situation nicht örtlich sondern beziehungsmässig verjagd hat.

Egal. Es geht um den eigenen Platz. Ja, eng ist es schon. Mein kleiner Homeofficeraum war mal ein Hobby-Tonstudio. So ein Musik-Mischraum. Heute ist er eher ein Mischraum. Arbeitsplatz (immerhin, die Plattensammlung steht bereit!), Musikinstrumentelager, Abhöre. Und dann noch das Tischlein mit der Olympia zum Schreiben.

Da wird es eng, wenn 25 Schreibmaschinen ihren Platz brauchen. Darin auch noch die Kisten auseinander zu bauen ist absolut unmöglich. Naja, möglich ist irgendwie immer alles. Unmöglich im Sinne von „Du hast sie nicht mehr alle!“.

Also war erneut Arbeit angesagt: bedenke: vom kreativen Schreiber zum Schreibmaschinenreparierer, zum Kellerraum-Ausräumer. Doch es lohnte sich.

Arbeitsplatz aus Resterampe. Da haste was Eigenes.

In sowas kann ich gut arbeiten. Und keiner stört. Doch mit der Arbeit kommt die Erfahrung und deswegen lautet der dritte Merksatz des Reparero:

reinige die Schreibmaschine mit Nitroverdünnung, Bremsenreiniger oder Waschbenzin niemals drinnen!

Denn die weißen Mäuse, die Dich dann besuchen, die brauchst Du nicht. Wenn es bei einer Kopfschmerztablette bleibt ist es ja gut! Vielleicht war es auch der pfälzische Riesling von gestern Abend. Nein, es muss am Wetter liegen! 

Nachdem also Regal mit Ablage aufgebaut sind, Kreppklebeband, Bleistift, Pinzette bereit liegen, traue ich mich weiter. Die Frontplatte soll ab. Hierzu inspiriert mich der Blogeintrag eines ebenfalls Schreibmaschinenverrückten, der Heiko. Der macht das schon viel länger als ich. Und er antwortet mir sofort, als ich ihn ganz dumm fragen muss. Es ist doch gut, wenn man Leute fragen kann. Internet hin oder her, aber wem hätte ich denn meinen schreibmaschinengeschriebenen Brief schicken sollen, um mit dem Thema weiterzukommen? Das Netz macht es doch möglich.

Ich trau mich

und schau mir die Frontplatte mal genauer an. Erkenntnisgewinn hatte ich genug. Linkseits ist der Farbband-Farbenwähler. Sicher nennt man das Ding anders, aber es ist ein schicker Hebel zur Wahl der Farbe an Farbband. Und weil ich mit „der Zehn“ hier alleine bin, nenne ich es wie ich es will! So ist das! Der „Hebel“ ist ein abgeknickter Metallstab. Er führt durch ein kleines Loch der Frontplatte

„irgendwo nach hinten“.

So lassen wir es mal stehen.

Rechts gibt es auch was zum drehen. Tut man es, klingelts.

Vielleicht war das die Weihnachtsmann-Glocken-Funktion, damals 1928.

Die „Weihnachtsmann-Glocke“ stört die Frontplatte nicht sonderlich. Also muss nur der Farbband-Farbenwähler-Metallstab weg. Keine große Aktion: folgt man nun (ja, jetzt darf man, beachte: Aktionismus vermeiden!) dem Stab, so ist dieser mit zwei Schrauben und zwei kleinen Metallringen an den Rest „der Zehn“ fixiert. Der Metallstab ist also eine Achse. Die Achse durchfährt eine Öse die zwischen den beiden Ringen liegt. Diese Öse steckt wiederum in einem anderen Metallteil und das…führt irgendwo nach hinten. Du musst hier wirklich nicht alles verstehen! 

Und nun: gelöst, getan: beide Schrauben werden gelöst.

Die Achse (wir erinnern uns: das Farbband-Farbenwähler-Dings) löst sich nun aus der Öse und man kann das ganze Ding aus der Frontplatte ziehen. Ja, natürlich muss der Ring erst abgezogen werden. Aber das wirst Du auch selbst feststellen. Wenn Du soweit bist.

Jetzt ist es an der Zeit die vier Schrauben der Frontplatte zu lösen.

Die Frontplatte in ihrer Pracht

Die Frontplatte ist „schwer“. Nicht „so schwer“, aber schon „schwer“. Ich helfe meinem löchrigen Gedächtnis indem ich die Schrauben mit Kreppklebeband an die Platte festklebe. Und das ganze Ding dann fein weglege. Das ist mal ordentlich. Und jetzt kommst Du!

Na, das ist doch schonmal was. Sowas nenne ich „Erfolgserlebnis“. Und das ist auch irgendwie das, was mich an diesen Schreibmaschinen so reizt: wie so ein Rätselspiel nur in greifbarer Technik. Wie geht das? Gucken, denken, probieren, verstehen. Ein tolles Gefühl! 

Jetzt wo „die Zehn“ beginnt auch ihre innere Schönheit zu offenbaren, sieht man, dass man vorher nichts gesehen hat. Deswegen gilt auch der vierte Merksatz des Repratörs:

Eine Schreibmaschine wird nicht sauber, wenn sie nicht zerlegt wird

Böse, gell? Aber da gibt es leider kein Vertun: alles andere ist kalter Kappes. Oder es bleibt eben dreckig. Kann man ja auch manchmal mit leben. Aber nicht mit dieser hier. Dreck aus fast einhundert Jahren! Das muss ich meinen Bronchien nicht antun. Das ist nix für meine Feinstaubbilanz. 

Innere Schönheit

Da waren wir stehen geblieben. Ja, „die Zehn“ lässt sich nun mal richtig anschauen. Und erkennen. Besagter Schreibmaschinen-Affizionato…Afficionado…wie auch immer, besagter Heiko also erläuterte mir den Fall der Typen. Was für ein Typ! Ganz einfach sei das Ganze, wenn man es mal verstanden habe. Und er hatte damit vollkommen recht! Am Typensieb links und rechts sieht man zwei Zapfen. Die bewegen sich in die Maschine hinein wenn man eine Taste anschlägt. Und jene Zapfen sind die geheimen Schalter zum Glück. In unserem Falle zum einfachen Ausbau der Typenhebel. 

Ich versuche es mal.

Es geht ja einfach, sagt Heiko. Also muss es doch einfach gehen.

Geht aber nicht einfach. Also lass ich es erst einmal wieder bleiben. Aktionismus, siehe oben. Ich entscheide mich stattdessen mit der Reinigung der Typen mit Nitroverdünnung. „Laquer thinner“, so nennt man das in den Engländern.  Und jetzt wisst Ihr auch, wo der dritte Merksatz herkommt. Riesen Fehler sowas im Keller zu machen. Ob nun die Kopfschmerzen daher kommen oder nicht, mir ist das egal. Die Dämpfe ziehen ordentlich rein und ich weiß ganz bestimmt: das mach ich nie wieder drinnen.

Ich starte also meinen Ventilator und eine Runde um überall Türen und Fenster zu öffnen. Damit der Muff schnell wieder rausgeht. Als ich zurückkomme und meine Sinne auch, drücke ich nochmal spaßeshalber die Zapfen. Und auf einmal…

ausgebaute Typen: bessere Sicht

geht es doch ganz einfach!

War also ein Drecksproblem. Und nun ist es kein Problem mehr, geschwind alle Typenhebel aus „der Zehn“ auszubauen.

ausgebaute Typenhebel

Als nächstes versuche ich den Empfehlungen des Netzes zu folgen und lege mal alle Typenhebel in eine verschließbare Tupperdose und fülle das Ganze mit Waschbenzin auf. Das mache ich aber draußen, keine Sorge, ich hab es mir gemerkt! Irgendwo hab ich gelesen, man kann auch Petroleum nehmen. Ich arbeite noch dran.

Ein paar Stunden später zeigt die Tupperware-Schüssel ein Eigenleben. Die meisten Kunststoffe greife das Waschbenzin nicht an, aber wer sagt denn, dass die Schüssel wirklich aus Kunststoff ist. Ist sie offensichtlich nicht, denn sie fängt an sich zu verbiegen. Also schnell den Trichter gesucht und alles wieder zurück in die Blechflasche geschüttet.

Hilft alles nix, an die dreckigen Typen muss ich mit härteren Bandagen dran.

In meinem Falle ist das sowas wie Akopaz nur ohne Seife. Damit poliere ich jeden Typenhebel einzeln, was bei den etwa 45 Stück dann so eine knappe Stunde dauert. Kein Wunder, dass die Wartung auf wirklich saubere Maschinen so teuer werden kann. Nachdem ich mir alle Typen durch habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: so ein Ako-Dings reicht gerade mal so eben für einen Satz Typenhebel.

polierte Typen

Na, die letzten zehn Stück oder so, die verursachen schon recht viel dieser klitzekleinen Metallspäne, denn eins muss klar sein: die Form der Hebel zerfetzt dieses Metallfadenkissen …ordentlich.

Aber es hat gereicht. Nachdem die Typenhebel ausgebaut sind, kann man übrigens ganz einfach (ja, ganz einfach) auf das Auflager der Tastenstreben blicken. Und auch prüfen, wo denn eigentlich bei der ganzen Kleberei wirklich das Problem liegt. Denn Du kannst dosenweise Bremsenreiniger oder Nitroverdünnung in das Typensieb kippen wie Du willst: wenn der Auflagerbalken, in dem die Typenhebel-Streben letztendlich stecken immer noch verdreckt ist, nutzt Dir das alles nix. Deswegen hier mein gutgemeinter Rat an den ernsthaft arbeitenden Machinero Reparero (Merksatz Nr. Fünf):

Bau verdammt nochmal die Typenhebel aus!

Und das ist wahrscheinlich immer noch nicht alles. Aber  das kommt vielleicht morgen. Für heute reicht es mir erstmal.

Fortsetzung folgt (kontinuierlich hier)

Kommentare

  1. Das ist sooo gut geschrieben. Ich bekomme beinahe ein Verhältnis zur 10er Prinzessin. Das liest sich doch tausend mal besser als so ein technischer Text wie… Konstrukteur war… Modell stammt von dem und dem ab und hat sie einen 24 cm breiten Wagen auf Prismenrollen gelagert. Wäre ich nicht schon Schreibmaschinenfan, dann wäre ich es jetzt, nach dem Text. Daaaanke….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.